DGB-Bezirke Sachsen und Berlin-Brandenburg und REVIERWENDE Lausitz laden gemeinsam ein.
Wie lässt sich der Strukturwandel in der Lausitz so gestalten, dass Gute Arbeit, regionale Wertschöpfung und langfristige Perspektiven für die Menschen entstehen? Darüber diskutierten am 31. August 2026 Vertreter:innen aus Gewerkschaften, Politik, Unternehmen, Verwaltungen und Wissenschaft sowie Betriebs- und Personalräte bei der 21. DGB-Lausitzkonferenz in Hoyerswerda. Die Konferenz wurde gemeinsam von den DGB-Bezirken Sachsen und Berlin-Brandenburg und von REVIERWENDE Lausitz veranstaltet.
Zentrale Herausforderungen des Strukturwandels
Stefan Körzell, stellvertretender Bundesvorsitzender des DGB, griff in seiner Rede zentrale Herausforderungen des Strukturwandels auf. Er forderte, die Lausitz als Industrie- und Energieregion zu stärken und Investitionen stärker in regionale Wertschöpfung und Beschäftigung zu übersetzen. Dafür brauche es auch eine leistungsfähige Infrastruktur, insbesondere den zweigleisigen Ausbau der Schienenverbindung zwischen Cottbus und Görlitz.
Mit Blick auf die demografische Entwicklung verwies Körzell auf die Arbeitskräftepotenzialstudie der REVIERWENDE Lausitz und betonte die Bedeutung einer gerechteren Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Auch junge Menschen müssten stärker an der Gestaltung des Strukturwandels beteiligt und ihre Perspektiven bei der Fachkräftesicherung berücksichtigt werden. Die REVIERWENDE-Jugendumfrage zeige, dass viele Jugendliche bislang wenig Beteiligung erfahren, zugleich aber bereit seien, sich einzubringen.
Vier Fachforen – vier Perspektiven auf den Strukturwandel.
In vier von der REVIERWENDE Lausitz gestalteten Fachforen vertieften die Teilnehmenden zentrale Herausforderungen des Strukturwandels. Im Fachforum 1 zur Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem ging es um Fachkräftesicherung im Gesundheitswesen – von Ausbildung und internationaler Gewinnung über Integration bis zur langfristigen Bindung durch Gute Arbeit. Das Fachforum 2 Generation Ausbildung stellte moderne Berufsausbildung auf Augenhöhe in den Mittelpunkt: Jugendliche erreichen, begleiten und beteiligen. Beim Fachforum 3 ging es um die nächsten Schritte von der Aufbauphase zur konkreten Umsetzung des Net Zero Valley Lausitz und darum, wie es gelingt, Investitionen in regionale Wertschöpfung und Beschäftigung zu übersetzen. Fachforum 4 zeigte Wege auf, Fachkräftesicherung in Betrieben frühzeitig (proaktiv) und strategisch anzugehen.
Ausführliche Zusammenfassungen der vier Fachforen stehen auch unterhalb dieses Beitrags zum Download zur Verfügung.
Betriebs- und Personalräte gestalten Wandel
Auch Betriebs- und Personalräte aus der Region brachten ihre Erfahrungen und Perspektiven in die Konferenz ein und zeigten an konkreten Beispielen, welche Themen sie in ihrer täglichen Interessenvertretung beschäftigen. Falko Metjen, Personalrat des Landkreises Görlitz, stellte die DGB-Initiative „Vergiss nie, hier arbeitet ein Mensch“ vor und rückte damit den Schutz von Beschäftigten vor Übergriffen und Gewalt in den Mittelpunkt. Katharina Hübner, Mitglied im Gesamtpersonalrat der Stadtverwaltung Cottbus und Schwerbehindertenvertretung, betonte, dass der Strukturwandel Vielfalt brauche. Es gehe nicht nur darum, Menschen für die Region zu gewinnen, sondern auch Bedingungen zu schaffen, unter denen sie langfristig bleiben wollen. Olaf Wobst, Betriebsratsvorsitzender bei Alstom Bautzen, machte am Beispiel des Schienenausbaus zwischen Görlitz und Dresden deutlich, wie eng leistungsfähige Infrastruktur, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und der Erhalt von Beschäftigung miteinander verbunden sind.
Podiumsdiskussion: Wie wird aus Förderung langfristige Wertschöpfung?
In der Podiumsdiskussion ging es um Gute Arbeit und Mitbestimmung, industrielle Wertschöpfung und die Rolle des Staates im Strukturwandel. Aus gewerkschaftlicher Perspektive wurde dabei betont, dass sich der Erfolg des Strukturwandels nicht allein an Fördersummen und der Zahl neuer Projekte messen lässt. Entscheidend sei vielmehr, dass Investitionen regionale Wertschöpfung und Beschäftigung stärken und gute, tarifgebundene und mitbestimmte Arbeitsplätze entstehen. Zugleich wurde dafür geworben, die vorhandene Industriekompetenz und Industrieakzeptanz in der Lausitz zu erhalten und für die Entwicklung neuer industrieller Zukunftsfelder zu nutzen. Eine strategische Industriepolitik und leistungsfähige Infrastruktur wurden dabei als wichtige Voraussetzungen diskutiert.
Gemeinsam weiter anpacken
Zum Abschluss richteten Dana Dubil, Regionsgeschäftsführerin des DGB Ostsachsen, und Matthias Loehr, Regionsgeschäftsführer des DGB Südbrandenburg-Lausitz, den Blick auf die nächsten Aufgaben. Dubil betonte die Bedeutung einer leistungsfähigen Schieneninfrastruktur für die weitere Entwicklung der Lausitz. Loehr warb für eine stärkere länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Sachsen und Brandenburg.
Die Konferenz zeigte: Wichtige Grundlagen für den Strukturwandel sind geschaffen. Damit aus Investitionen langfristig regionale Wertschöpfung, Gute Arbeit und Perspektiven für die Menschen in der Lausitz entstehen, braucht es jedoch weiterhin gemeinsames Anpacken.
Eine ausführliche Dokumentation der 21. DGB-Lausitzkonferenz mit weiteren Einblicken in die Beiträge und Diskussionen steht hier als PDF zum Download zur Verfügung.
Dokumentationen
- Ausführliche Dokumentation
- Dokumentation Fachforum 1
- Dokumentation Fachforum 2
- Dokumentation Fachforum 3
- Dokumentation Fachforum 4
Presseecho
- Lausitzwelle:
- Neue Lausitz: „Der leise Abschied des DGB von der Kohle“
- Tagesspiegel: Lausitzkonferenz: DGB fordert Investitionen und sichere Jobs für die Lausitz (DGB, Nele Techen)
- DIE ZEIT: DGB fordert Investitionen und sichere Jobs für die Lausitz
- Radio Cottbus: Lausitzkonferenz: Gewerkschaften fordern mehr Investitionen (DGB, Nele Techen)
Stimmen aus den Gewerkschaften
- IG Metall Ostsachsen: „Der Strukturwandel muss von den Gewerkschaften mitgestaltet werden.“
Bilder

































