26.08.25
Lausitz

Nachlese Fachgespräch: Bahnindustrie als Zukunftsbranche im Strukturwandel stärken

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Bautzen, 21. August 2025 – Eine aktuelle Studie des IMU-Institutes Berlin GmbH im Auftrag des, vom DGB initiierten, Projektes REVIERWENDE beleuchtet das industrielle Potenzial des Schienenfahrzeugbaus in der Lausitz und zeigt klare Perspektiven für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung im Zuge des Strukturwandels auf.

Die vollständige Studie können Sie hier downloaden.

Eine zentrale These lautet: Wenn die „Energie- und Verkehrswende“ ernst gemeint ist, ist die Bahnindustrie systemrelevant!

Vertreter:innen aus Industriebetrieben, Verkehrsverbünden, Verwaltungen, Gewerkschaften, Wirtschaftsverbänden und Politik diskutierten die Ergebnisse in einem Fachgespräch, zu dem das Projekt REVIERWENDE Lausitz nach Bautzen eingeladen hatte.

Stimmen aus dem Fachgespräch

Olaf Wobst, Betriebsratsvorsitzender Alstom Bautzen: „Wir brauchen mehr aktive Industriepolitik. Verkehrspolitik ist Industriepolitik!“

Der Teamleiter der REVIERWENDE Lausitz, Marko Schmidt, verdeutlicht: „Die Bahnindustrie könne eine Schlüsselrolle bei der Verkehrswende und der Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze in der Lausitz einnehmen – vorausgesetzt, politische Rahmenbedingungen und regionale Strategien greifen ineinander.“

Gregor Holst, Autor der Studie und Geschäftsführer des IMU-Institutes, ergänzt: „Die Lausitz verfügt über eine 170-jährige Tradition im Schienenfahrzeugbau. Trotz zahlreicher Standortschließungen bestehen weiterhin starke industrielle Kerne, etwa mit Alstom in Bautzen oder dem neuen Bahnwerk in Cottbus und zahlreiche regionale Zulieferer- und Dienstleistungsunternehmen im System Bahn-Schiene. Lausitzer Unternehmen stellen mit qualifizierten Fachkräften innovative und wettbewerbsfähige Produkte entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Schienenfahrzeugbaus her. Klares Ziel, gerade im industriellen Wandel, muss der Erhalt der hochwertigen und meist tariflich geregelten und betrieblich mitbestimmten Arbeitsplätze in der Schienenfahrzeugindustrie sein.“

Anatoli Klassen, Branchenbeauftragter Bahnindustrie IG Metall: „Sachsen ist ein tolles Bahnland, wir müssen mutiger und offensiver werden und das auch so nach außen vertreten!“

Die Studie betont, dass die Entwicklung der Branche auch stark von politischen Entscheidungen auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene abhängt. Dies ermöglicht Einfluss auf die Branchenentwicklung. Dazu zählen insbesondere nachhaltige Beschaffungsstrategien der öffentlichen Besteller, verlässliche Förderstrukturen, und eine langfristig gesicherte Finanzierung der Bahninfrastruktur“, führt Gregor Holst weiter aus.

Die Präsentation des Fachgespräches können sie hier downloaden.

Ergebnisse der Studie

Wachstum durch Verkehrswende und Innovationen

Der globale Markt für Schienenfahrzeuge wächst – angetrieben durch die Energie- und Verkehrswende sowie technologische Entwicklungen wie Elektrifizierung, Wasserstoffantriebe und Digitalisierung. Auch die Instandhaltung von Fahrzeugen bleibt ein stabiler Wachstumsbereich. Damit sich dieses Wachstum auch hier bei uns in erfolgreichen Standorten und Beschäftigung niederschlägt, müssen Konzernentscheidungen und politische Weichenstellungen verlässlich sein und bleiben.

Strukturwandel als Chance – Beschäftigte als Potenzial

Mit dem Kohleausstieg steht die Lausitz vor einem tiefgreifenden Wandel. Die Bahnindustrie kann hier als zukunftssichere Branche wirken – vorausgesetzt, es gelingt, Fachkräfte zu halten, neue zu qualifizieren und die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken.

Handlungsbedarf auf allen Ebenen

Als einzigartiger Beitrag aus arbeitsorientierter Perspektive identifiziert die Studie strukturpolitische Handlungsempfehlungen für die Branche aus der Region heraus. Sie empfiehlt:

  •  Betrieblich steht die Weiterentwicklung innovativer, wettbewerbsfähiger und nachhaltiger Produkte im Mittelpunkt. Dies bedeutet vor allem, Kompetenzen der Beschäftigten zu sichern und zu entwickeln sowie auch zukünftig attraktive Arbeitsbedingungen zu bieten.
  • Ein regionaler Expertenkreis soll Akteure zusammenbringen, Innovationen und Kooperationen fördern und Gestaltungsanforderungen an das System Bahn-Schiene aus arbeitsorientierter Sicht formulieren.
  • Landespolitisch wird vor allem ein Vergabegesetz gefordert, das Tarifbindung und soziale Kriterien sowie Nachhaltigkeitskriterien bei öffentlichen Aufträgen sichert.
  • Auf Bundesebene braucht es langfristige Finanzierungsstrategien und industriepolitische Leitplanken, die auf Qualität und Innovation statt ausschließlich auf Kosten als Maßstab setzen.

Wandel muss gerecht sein – Fokus auf Mitbestimmung und soziale Standards

Der Wandel soll sozialverträglich gestaltet werden. Begleitende Projekte wie REVIERWENDE unterstützen Betriebsräte und Belegschaften bei der Mitgestaltung der Transformation. Ein starker Fokus liegt auf tariflicher Absicherung und demokratischer Mitbestimmung in den Betrieben.

Fazit

Die Bahnindustrie bietet der Lausitz eine realistische Chance, zu einer Modellregion für nachhaltige Industrieentwicklung zu werden. Dafür braucht es jetzt klare politische Signale und eine gemeinsame regionale und branchenpolitische Strategie – verständigten sich die anwesenden Vertreter:innen und wollen dazu den Fachaustausch fortsetzen.

Kontakte

REVIERWENDE

Marko Schmidt
REVIERWENDE Lausitz
Ostrower Strasse 6
03046 Cottbus
marko.schmidt@revierwende.de
Telefon +49 (0)1578 5322032

 

Autor der Studie

Gregor Holst
IMU-Institut Berlin Brandenburg Sachsen
Franz-Mehring-Platz 1
10243 Berlin
gregor.holst@imu-berlin.de
Telefon +49 (0)30 29369712

 

IG Metall Ostsachen

Für die Situation der Beschäftigten der Schienenfahrzeugindustrie
Uwe Garbe
1. Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen
Email uwe.garb@igmetall.de
Telefon +49 (0)3591 5214 11

 

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