Video der Lausitzwelle: Görlitz: Gleichstellung ist unverhandelbar – Neujahrsempfang im GHT – LAUSITZWELLE – Nachrichten für Ostsachsen und Südbrandenburg
Am 11. Januar 2026 lud die Friedrich-Ebert-Stiftung Sachsen in Kooperation mit der Revierwende Lausitz, dem DGB Ostsachsen, dem Bündnis Gleichstellung Lausitz, dem Frauen.Wahl.Lokal Oberlausitz sowie der Gleichstellungsbeauftragten des Landkreises Görlitz zu einem etwas anderen Neujahrsempfang ins Görlitzer Theater ein. Weit mehr als die angemeldeten 360 Gäste aus der Region aber auch darüber hinaus kamen zur Lesung und danach auch miteinander ins Gespräch. Das macht Mut für das neue Jahr!
Musikalisch stimmte die gebürtige Görlitzerin Paula Peterssen mit ihrem Song „Die fetten Jahre sind vorbei“ das volle Haus auf die kommenden zwei Stunden Programm ein. Die Zukunft ist von Vergangenheit und Gegenwart beeinflusst, aber noch nicht geschrieben. Und sie kann besser werden – auch wenn es manchmal länger dauert. Mit dem Song „Das neue Normal“ der Band ok.danke.tschüss wurde auch dem letzten im Saal klar, worum es den Einladenden dabei geht: Gleichstellung ist unverhandelbar!
In der gemeinsamen Begrüßung der Organisatorinnen machten Silvia Fischer, Marika Vetter, Aline Erdmann, Rebecca Jakob, Dana Dubil und unsere Kollegin Katrin Treffkorn, deutlich: Zukunft ist gestaltbar und Veränderung entsteht dort, wo Menschen sich zusammenschließen und Verantwortung übernehmen. Sie riefen dazu auf, Solidarität zu leben, sich gegenseitig zu stärken und gemeinsam an einer gerechten Zukunft zu arbeiten. Gerade für die Lausitz, die sich mitten im Strukturwandel befindet, ist es wichtig, Geschlechtergerechtigkeit von Anfang an mitzudenken – ein Anliegen, das auch die Arbeit der REVIERWENDE prägt. Gleichstellung dürfe im Wandel nicht zur Nebensache werden, sondern müsse integraler Bestandteil einer zukunftsfähigen Entwicklung sein. Zugespitzt wurde dies in der klaren Forderung, Gleichstellung nicht als Bitte zu verstehen, sondern als das, was sie ist: ein Menschenrecht.
Daran knüpfte auch die Neujahrsrede von Pfarrerin Antje Kruse an. Sie griff den Solidaritätsgedanken auf und machte deutlich, dass Gleichstellung über die Jahrzehnte als Aufgabe aller in der Gesellschaft nicht abgeschlossen ist, sondern weiterhin aktives Engagement – auch gegen Widerstände erfordert. Als Menschenrecht sei sie nicht an Bedingungen geknüpft und brauche keine Vorleistung. Vielmehr gelte es, für sie einzustehen und hart Erkämpftes gemeinsam gegen Angriffe zu verteidigen!
Szenische Lesung: Erfahrungen und Zukunftsbilder
Es folgte eine szenische Lesung aus dem Buch „Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat“. Die Autorinnen Peggy Mädler, Annett Gröschner und Wenke Seemann verbanden dabei Humor und Ernsthaftigkeit: Die Texte spielten mit Klischees über ostdeutsche Frauen und machten zugleich die Umbrüche und Erfahrungen von Verlust, Unsicherheit und Neuorientierung zur Wendezeit sichtbar, die bis heute nachwirken. Dies mündete in der Frage, wie eine gerechte Zukunft – in Form des idealen Staates – aussehen kann. Damit knüpfte die Lesung unmittelbar an das zentrale Motiv des Nachmittags an: Wie gestalten wir miteinander unsere Zukunft gleichberechtig? Deutlich wurde, dass es dabei keine einfachen Antworten gibt, sondern dass eine gerechte Zukunft aus Aushandlung, gegenseitigem Mutmachen und dem Aushalten von Widersprüchen entsteht. Und dass wir selbst im Wandel der Zeiten die Brücke sind zwischen denen die waren und denen die sein werden.
Dazu gehört auch Nachwuchs, weswegen ein Betreuungsangebot den zahlreichen Kindern der Gäst*innen die Möglichkeit bot, sich während des Bühnenprogrammes auf den Fluren des Theaters mit Cyrkus aus dem Koffer auszuprobieren. Die vier jungen Frauen vom Jugendzirkus des KulturBrücken Görlitz e.V. haben einst als Artistik begeisterte Kinder angefangen und sind heute selbst Workshopleiterinnen und organisieren sich als Jugend-Varietégruppe ihre Auftritte selbst. So gelingt Empowerment!
Austausch und Vernetzung: Gesprächsbereit
Diese Gedanken nahmen viele Besucherinnen und Besucher mit in den anschließenden Austausch beim Sektempfang. Im Rahmen des Formats „Gesprächsbereit“ stellten zahlreiche Initiativen aus der Region ihre Arbeit rund um die Themen Chancengerechtigkeit, demokratische Teilhabe, evangelische Frauenarbeit, Queerfeminismus, Selbstbestimmung, Gewaltschutz, Gute Arbeit und Engagement für eine offene Gesellschaft vor Ort vor und luden zum Gespräch ein. Die Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich über Beteiligungsmöglichkeiten auszutauschen und gegenseitig zu ermutigen wurde ausgiebig genutzt. Es zeigte sich eindrücklich, wie groß die Bandbreite und das Interesse ist, Gleichstellung gemeinsam weiterzudenken und aktiv mitzugestalten.
Dieser Neujahrsempfang machte deutlich: Gleichstellung ist unverhandelbar! Auch in der Lausitz. Sie braucht Räume, Menschen und Gemeinschaften, die bereit sind, sich gemeinsam dafür stark zu machen. Wir sind es – und offen für weitere Kooperationen!
Ihre Ansprechpartnerin bei der REVIERWENDE Lausitz ist Katrin Treffkorn.
